Mit Mut gegen die Menschenverachtung
Beim Tiberiusfest hat Annette Schavan die unverwirkbare Würde jedes Menschen betont. Preisträger ist die Godi-Gruppe unter Leitung von Steffi Munding.

Gelebter christlicher Glaube irritiert: „So, wie das Christentum am Anfang - in der Antike - eine große Irritation war, so irritieren Christen bis heute”, sagte Schavan in ihrer Predigt. „Abgestoßen und fasziniert zugleich” seien die Menschen davon gewesen, wie Jesus anderen begegnete - der Ehebrecherin, dem Zöllner, dem reichen Mann. Jesu Sicht auf den Menschen und die Sicht der Christenheit auf den Menschen „ist geschärft von der Überzeugung, dass allen Menschen die gleiche und unverwirkbare Würde zukommt”, die nicht von Menschen verliehen werde, „sondern von Gott gegeben wurde - wirklich allen Menschen!” Diese Sicht sei eine Revolution gewesen.
Was Jesus gelehrt hat und wofür er einstand - Barmherzigkeit, Freiheit, einen Blick für die Armen und für das, was sie brauchen -, bilde die Grundlage für eine zivilisierte Menschheit und sei „das Menschenbild, das Europa zu Größe und Attraktivität gebracht hat” und mit dem auch Deutschland seinen Weg zurück in die Völkergemeinschaft gefunden habe, sagte Schavan. Dieses Menschenbild drücke sich auch in Artikel 1 des Grundgesetzes aus: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.”
Aus der unverbrüchlichen Treue und Loyalität Gottes mit den Menschen, die in der Menschwerdung Gottes gipfelt, erwachse ein starker Impuls, „um eine tätige Liebe zu den Menschen zu leben, vor allem zu denen, die fremd und geschunden durch Krieg, Gewalt und Terror bei uns sind", sagte Schavan. Die Erinnerung an den heiligen Tiberius, einen Märtyrer der frühen Kirche, „kann uns neuen Mut geben, der grassierenden Menschenverachtung entgegenzutreten”, welche sich in Menschenhandel, Kindesmissbrauch, Gewalt gegen Frauen, Hunger sowie Juden- und Fremdenhass niederschlage. Auch wo Konfrontation und Unversöhnlichkeit zunehmen, seien klare Worte und Taten gefragt, mahnte Schavan. Andernfalls „schwindet das Christentum über kurz oder lang in die Bedeutungslosigkeit". Und mit Blick auf die Schriftlesungen des Tages sagte die frühere Politikerin: Gott zu verleugnen und die Menschen zu verachten seien nur die zwei Seiten der einen Medaille.
Am Ende des Gottesdienstes, der von Pater Stefan Kling, Leiter des Amtes für Kirchenmusik im Bistum Augsburg und Prior der Prämonstratenserabtei Roggenburg, zelebriert und von Gregor Simon an der Holzhey-Orgel sowie mit Trompetenklängen und vom Kinderchor der Seelsorgeeinheit Marchtal musikalisch gestaltet wurde, überreichte Pfarrer Gianfranco Loi den Tiberiuspreis. In Erinnerung an den Märtyrer Tiberius, der als junger Christ für seinen Glauben einstand, richtet sich diese Auszeichnung an junge Christen sowie Menschen, die sich aus ihrem Glauben heraus für die Jugend einsetzen. In diesem Jahr wurde die Godi-Gruppe, also der Kinderchor der SE Marchtal unter der Leitung von Stefanie Munding, ausgezeichnet.
Bericht: Pavel Jerabek / drs
